„Humor ist keine Bühne – sondern eine bewusste Entscheidung im Alltag“
May Kay Morrison, Gründerin der Association for Applied and Theapeutic Humor
Wenn wir an humorvolle Menschen denken, haben viele sofort bestimmte Bilder im Kopf: schlagfertige Persönlichkeiten, charismatische Redner*innen oder Menschen, die scheinbar mühelos einen Raum zum Lachen bringen.
Doch genau hier beginnt ein Missverständnis.
Humor ist weit mehr als Unterhaltung. Und vor allem ist er keine Frage von Talent oder „angeborener Lustigkeit“.
Eine Person, die diesen Gedanken seit Jahrzehnten prägt, ist Mary Kay Morrison. Als Gründerin der Association for Applied and Therapeutic Humor setzt sie sich dafür ein, Humor aus der reinen Unterhaltungsecke herauszuholen und als ernstzunehmende Ressource für Kommunikation, Beziehung und Resilienz zu verstehen.
Humor beginnt nicht mit der Pointe
Der vielleicht wichtigste Gedanke ihres Ansatzes lautet:
Humor ist keine Frage von Schlagfertigkeit, sondern eine Frage der inneren Haltung und der bewussten Entscheidung im Moment.
Gerade das macht ihren Zugang so spannend – und gleichzeitig so alltagstauglich.
Denn es geht nicht darum, ständig witzig zu sein oder Menschen permanent zum Lachen zu bringen. Es geht vielmehr darum, wie wir Situationen betrachten, wie wir mit anderen umgehen und ob wir bereit sind, auch in herausfordernden Momenten etwas Leichtigkeit zuzulassen.
Kleine Impulse mit großer Wirkung
Besonders bemerkenswert ist, wie unspektakulär viele ihrer Methoden wirken.
Statt komplizierter Techniken arbeitet sie oft mit einfachen humorvollen Impulsen aus dem Alltag. Dazu gehört beispielsweise der bewusste Einsatz von Übertreibung.
Eine Situation gedanklich absichtlich zu überzeichnen, kann helfen, festgefahrene Denkmuster zu lockern und inneren Druck zu reduzieren. Plötzlich entsteht Abstand – und damit häufig auch eine neue Perspektive.
Was eben noch schwer und unveränderbar wirkte, wird beweglicher.
Humor schafft Raum.
Die Kraft eines echten Lächelns
Und dann kommt vielleicht der radikalste Impuls überhaupt:
Ein ehrliches Lächeln.
Ohne Anlass.
Ohne Ziel.
Ohne Performance.
Gerade im beruflichen Kontext wirkt das für viele zunächst ungewohnt oder sogar unpassend. Wir sind es gewohnt, Wirkung mit Strategien, Argumenten oder großen Gesten zu verbinden.
Doch vielleicht liegt die eigentliche Veränderung genau woanders.
Was wäre, wenn nicht die große Intervention den Unterschied macht – sondern die Qualität der kleinen Momente?
Denn genau dort zeigt sich die Wirkung von Humor:
- Gespräche öffnen sich schneller
- Menschen fühlen sich verbundener
- Spannungen reduzieren sich
- anspruchsvolle Themen werden zugänglicher
- Kommunikation wird menschlicher
Humor verändert nicht unbedingt die Situation.
Aber oft verändert er, wie Menschen sich innerhalb dieser Situation begegnen.
Humor als Haltung
Für mich steckt darin eine wichtige Einladung:
Humor beginnt nicht erst dann, wenn wir „etwas Lustiges sagen“.
Er beginnt in der Art, wie wir anderen begegnen.
Die entscheidende Frage lautet daher vielleicht nicht:
„Bin ich humorvoll genug?“
Sondern vielmehr:
„Wie oft entscheide ich mich im Alltag bewusst für eine zugewandte, leichte und menschliche Haltung?“
Denn Humor ist kein Extra.
Keine Dekoration.
Keine Show.
Er ist ein wirksames Element moderner Kommunikation, Zusammenarbeit und Führung.
Und manchmal beginnt genau das mit etwas ganz Einfachem:
einem offenen Blick, einem kleinen Perspektivwechsel – oder einem ehrlichen Lächeln.
Foto by Legacy of Laughter
