Wenn der Ton kippt – ein Sommerabend beim Roten Sofa Merzhausen
„Wird unsere Zündschnur immer kürzer?“ – mit dieser Frage haben wir uns beim Roten Sofa Merzhausen beschäftigt.
Der Abend fand an einem ganz besonderen Ort statt: in einer kleinen Laube mitten in den Schrebergärten von Merzhausen. Ein lauer Sommerabend, Gitarrenmusik von Daniel Steiert und Menschen, die Lust hatten, zuzuhören, mitzudenken und miteinander ins Gespräch zu kommen. Schon die Atmosphäre hat dafür gesorgt, dass sich der Abend irgendwie anders angefühlt hat als eine klassische Veranstaltung.
Auf dem Sofa kamen ganz unterschiedliche Erfahrungen zusammen: Melanie Renz aus dem Kundenservice einer Krankenkasse, Lennart Schmedding als Rettungssanitäter und ich als Humortrainerin. Gerade diese unterschiedlichen Blickwinkel fand ich spannend, denn ob im Kundenkontakt, im Rettungsdienst oder im ganz normalen Alltag – wir alle kennen Situationen, in denen der Ton plötzlich kippt und die Geduld dünn wird.
Wir haben darüber gesprochen, was Stress mit unserem Umgang miteinander macht, warum wir manchmal schneller gereizt reagieren als uns lieb ist und was wir selbst dazu beitragen können, auch in angespannten Situationen menschlich und zugewandt zu bleiben.
Besonders schön fand ich, dass das Publikum nicht einfach nur zugehört hat. Es wurde persönlich. Fragen wie „Wann ist Ihnen zuletzt die Zündschnur gerissen?“ oder „Was wünschen Sie sich für den Umgang miteinander?“ haben ganz unterschiedliche Geschichten und Gedanken hervorgebracht.
Und natürlich durfte auch der Humor nicht fehlen. Daniel Steiert hatte sogar ein Lied geschrieben, das er uns an diesem Abend zum ersten Mal präsentierte: „Wenn die Hutschnur reißt“. Treffender hätte der musikalische Abschluss kaum sein können.
Zum Ende haben wir gemeinsam einen Blick ins Jahr 2036 gewagt. Wie wünschen wir uns den Umgang miteinander? Und was können wir eigentlich schon heute dafür tun?
Diese Frage hat mich auf dem Heimweg noch eine Weile begleitet.
Denn ich glaube, dass Veränderung oft viel kleiner beginnt, als wir denken. Nicht unbedingt mit großen gesellschaftlichen Konzepten, sondern in einer Begegnung, in einem Gespräch oder in dem Moment, in dem wir uns entscheiden, einmal kurz innezuhalten, bevor wir zurückschießen.
Ich bin an diesem Abend mit vielen neuen Begegnungen, inspirierenden Gedanken und einem ziemlich guten Gefühl nach Hause gegangen.
Vielen Dank an Kerstin Frey und das Team vom Roten Sofa Merzhausen für dieses wunderbare Format – und an alle, die diesen Sommerabend mit ihren Fragen, Geschichten und Gedanken so lebendig gemacht haben.
Solche Abende machen Mut. Denn ein respektvoller Umgang beginnt nicht erst bei den großen gesellschaftlichen Debatten, sondern in den vielen kleinen Begegnungen unseres Alltags.
