Humor im Unternehmen: Praxisprojekt auf der HumorCare-Jahrestagung 2026
Gesundheitstag am Freitag. Kurzarbeit am Montag.
Mit diesem Spannungsfeld begann mein Beitrag auf der diesjährigen Jahrestagung von HumorCare Deutschland-Österreich (HCDA) in Frankfurt, bei der der Verband zugleich sein 25-jähriges Jubiläum feierte.
Ich hatte die Gelegenheit, ein Praxisprojekt aus meiner Arbeit als Humortrainerin im Unternehmensbereich vorzustellen: einen Gesundheitstag, den ich im vergangenen Jahr bei Ratioplast in Schwabach gestaltet hatte.
Den Gesundheitstag selbst habe ich bereits in einem früheren Beitrag vorgestellt. Auf der Jahrestagung ging es für mich um eine andere Perspektive: Was habe ich aus diesem Projekt gelernt? Was hat gut funktioniert, wo war ich selbst überrascht und was bedeutet professionelle Humorarbeit für mich?
Rund 65 Mitarbeitende aus unterschiedlichen Bereichen und mehr als 15 Nationalitäten hatten an dem Gesundheitstag teilgenommen – vom Praktikanten bis zur Geschäftsleitung. Das Unternehmen hatte ein neues Format ausprobiert: Statt der bisherigen Workshops in Kleingruppen verbrachte die gesamte Belegschaft den Tag gemeinsam in einem Raum.
Die Rahmenbedingungen waren dabei durchaus herausfordernd. Für einige Mitarbeitende begann bereits am darauffolgenden Montag die Kurzarbeit.
Ich berichtete von den Übungen, den Reaktionen der Teilnehmenden und auch davon, dass Humor nicht bei allen Menschen gleich ankommt. Während manche das gemeinsame Erleben als bereichernd empfanden, standen andere einzelnen Methoden eher zurückhaltend gegenüber und hätten sich lieber etwas Vertrauteres gewünscht.
Für meinen Vortrag war diese Erfahrung spannend. Denn Humorarbeit läuft nicht nach einem festen Drehbuch. Ein neues Format braucht Zeit und Vertrauen. Eine Irritation kann etwas in Bewegung bringen – sie kann aber auch zeigen, dass eine Methode für diese Gruppe oder diesen Moment nicht passt.
Ein Gesundheitstag kann keine Kurzarbeit verändern und wirtschaftliche Unsicherheit nicht wegzaubern. Er kann aber einen Raum für Begegnung und Austausch schaffen und einen anderen Blick auf die eigene Situation ermöglichen.
Ein Jahr später erzählte mir die Geschäftsführerin, dass einige der Übungen noch immer in den Teams aufgegriffen werden und für viel Spaß sorgen. Darüber habe ich mich unheimlich gefreut.
Bei der Vorbereitung auf meinen Vortrag wurde mir noch einmal bewusst, was meine Arbeit als Humortrainerin für mich ausmacht. Ich möchte nicht einfach einen Koffer voller Methoden auspacken und eine Übung nach der anderen anbieten. Ich muss eine Gruppe wahrnehmen, zuhören, beobachten und bereit sein, meinen Plan auch einmal zu verändern.
Eine Übung funktioniert nicht? Dann wird sie eben angepasst oder fällt weg. Die Gruppe reagiert anders als erwartet? Dann schaue ich, was daraus entstehen kann. Und manchmal ist eine geplante Methode schlicht nicht das Richtige für diesen Moment.
Mein Praxisprojekt aus dem Unternehmensbereich mit Kolleg*innen von HumorCare zu teilen, war für mich eine schöne Erfahrung. Der Austausch über unterschiedliche Arbeitsfelder, Erfahrungen und Herangehensweisen hat auch meinen eigenen Blick auf das Projekt noch einmal erweitert.
Danke an HumorCare Deutschland-Österreich für die inspirierende Jahrestagung, den offenen Austausch und die vielen Begegnungen mit Kolleg*innen.
Ich freue mich schon auf die nächste Jahrestagung in Frankfurt.
